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Katerland: Warum Alkoholabhängigkeit fast immer eine zweite Diagnose mitbringt

Katerland via Amazon  Katerland: Warum Alkoholabhängigkeit fast immer eine zweite Diagnose mitbringt „Wer sich mit Sucht beschäftigt, muss sich auch mit Stigmatisierung beschäftigen.“ Dieser Satz von Prof. Dr. Georg Schomerus hat es in sich. Denn beim Lesen seines Buches „Katerland“ wurde mir noch einmal schmerzhaft bewusst, dass eine Alkoholabhängigkeit fast immer eine zweite Diagnose mit sich bringt: Stigma.   Georg habe ich beim zweiten OAMN-Sommerkongress und später beim Recovery Walk in Leipzig persönlich kennengelernt. Deshalb ist er für mich auch in diesem Text einfach Georg.   Von der Industrie, der Lobby, der Politik und der Gesellschaft wird mit dem Finger auf Menschen gezeigt, die mit dem „Genussmittel“ Alkohol (des Deutschen heiligstes Kulturgut) nicht umgehen können. Ihnen wird vorgegaukelt, sie seien selbst schuld, weil sie dieses vermeintliche „Genussmittel“ nicht im Griff hätten. „Kulturgütiger!“  In „Katerland“ lesen wir anhand von Georgs E...
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22 Bahnen - Verfilmung des Buchbestsellers

Bis ans Ende der Zeit, bis kein Regen mehr fällt, gegen den Sturm, am Abgrund entlang … (Durch den Monsun) Ida, Tildas kleine Schwester, geht nur dann gern ins Schwimmbad, wenn es regnet. Dann hat sie das große Becken nämlich ganz für sich. Menschenmengen mag sie nicht. Tilda ist längst ihr Mutterersatz geworden. Die beiden wachsen in einer Familie auf, die ein klassisches Beispiel für Dysfunktion ist. Die Mutter ist alkoholabhängig. Betrunken zündet sie gern mal die Küche an, verliert schnell die Kontrolle und ihr rutscht immer wieder die Hand aus. Am nächsten Tag, wenn sie von Schuldgefühlen geplagt wird, schnitzt sie liebevoll Radieschenröschen, deckt den Frühstückstisch und versucht, mit den Kindern Dialoge zu führen, die so künstlich daherkommen, dass es wehtut. Die beiden Mädchen wissen sofort: Jetzt kommen wieder die Versprechen, dass dieser Absturz der letzte war. Und das hält eben so lange, bis die Mutter in die stabile Seitenlage gebracht werden muss und die kleine Ida stoisc...

Die guten und die besseren Tage

  Frauen und Alkohol - Die guten und die besseren Tage Mit Pfefferminzspray ist sie zwar kein Prinz, aber zumindest riechen Suzannes drei Kinder ihre Fahne nicht. Suzanne ist alleinerziehende Mutter von drei Söhnen. Morgens wankt sie zur Arbeit, abends kann es nicht schnell genug gehen, bis die Kinder endlich im Bett sind - zu sehr ist sie genervt von ihnen. Den nächsten Schluck kann sie kaum erwarten. Viele von uns kennen dieses Gefühl. Besonders wenn Kinder mit im Spiel sind, kommt dieses mega schlechte Gewissen dazu. Aber man ist dem Alkohol längst ausgeliefert. Nach einem Unfall verliert Suzanne das Sorgerecht. Um es zurückzubekommen, muss sie einen Entzug in einer Klinik antreten. Dort trifft sie auf weitere Frauen aus unterschiedlichen Schichten in ähnlichen Situationen. Gemeinsam sollen sie sich einer ungewöhnlichen Herausforderung stellen: der Teilnahme an einer Dünen-Rallye in der marokkanischen Wüste - als Teil der Therapie. Eine tolle Metapher für das, was innerlich in B...
  Filmrezension:  The Outrun The Outrun: Vom Drang, im Sturm nüchtern zu werden Rona lässt nichts aus und ist am Tiefpunkt angelangt. Sie hat die Kontrolle über den Alkohol längst verloren. Selbst die letzten Schlucke in Gläsern, die andere Gäste im Pub stehen lassen, kann sie nicht ignorieren. Die Folgen sind erschreckend: wüste Beschimpfungen, Blackouts, blaue Flecken, Sex mit Männern, die sie gerade kennengelernt hat. Wenn man überhaupt von "kennenlernen" sprechen kann.  Sie schwört sich immer wieder Besserung. Doch sobald der Abend naht, wird der Drang zu trinken übermächtig. Süchtige kennen dieses verzweifelte Muster nur zu gut. Ich gehörte auch dazu.  Nach einem besonders einschneidenden schrecklichen Ereignis erkennt Rona, dass es so nicht weitergehen kann. Sie begibt sich in den Entzug und kehrt anschließend von London in ihren Heimatort zurück, eine der schottischen Orkney-Inseln. Für Städter wie mich eher eine dröge, spröde nicht besonders sympathische und ...

One for the Road

 One for the Road Der neue Film von Markus Goller und Oliver Ziegenbalg  Zu Vino sagt Mark nie No. Voll wie eine Haubitze nimmt er“ One for the Road“ allzu wörtlich und wird prompt von der Polizei erwischt. Ohne Diskussion mit dem Beamten geht’s natürlich nicht: „Ich hab‘ doch „nur“ umgeparkt, hicks“. Da hilft kein Palaver, der Führerschein ist weg. Mark ist ein funktionaler Alkoholiker, hat einen anspruchsvollen Job als Bauleiter, verpasst hier und da zwar die ersten Termine, ist aber ansonsten zuverlässig. Er ist ein echter Sympathiebolzen. Jeder mag ihn. Auch die Kinozuschauer*Innen möchten diesen mit unschuldigem Dackelblick aus der Wäsche schauenden Knuddel in den Arm nehmen und ihn einmal kräftig durchschütteln. Denn Marks unkontrolliertes Trinkverhalten ist schon längst nicht mehr zu übersehen und macht seinen Kollegen und seinen besten Freunden schon lange Sorgen. Ihm natürlich nicht. Kennen wir. Die ersten Ergebnisse des Tests „...

1. Sober Birthday

                                    Ein Jahr nüchtern - Mit Soda on the Rocks  Ein Interview mit mir selbst War's ein leichter Weg?  Im Prinzip ja, wenn auch nicht immer eben. Mal ging's bergauf, dann auch mal bergab, hier und da habe ich mit der Hilfe von Craving-Bewältigungsstrategien und/oder in der OAMN-Gruppe (App) Stolpersteine mit Bravour umkurvt. Aber ja, im Prinzip war's einfach. Einfach auch deshalb, weil's bei mir im Kopf Klick gemacht hat. Tosend laut. Ich wusste schon länger, dass ich komplett die Kontrolle über mein Trinkverhalten verloren habe. Ich konnte nicht mehr selbst bestimmen, ob und wie viel ich trinke. Am 8. Juni 2022 wusste ich noch nicht, dass ich an dem Abend meinen letzten Gin-Tonic getrunken hatte. Also einen oder waren es zwei (?). Also nach einer Flasche Wein. Vermisse ich den Alkohol? Meistens nicht. Aber es gibt schon Anlässe, Mädelsabende z. B., bei...
333 Tage Nüchtern Was für ein Meilenstein. Als ich das erste Mal in der Facebookgruppe von OAMN schrieb, hatte ich gerade Nathalie Stübens 30-Tage-Programm absolviert. Auf der einen Seite eine Ewigkeit, auf der anderen dann doch nicht. Unglaublich, was in dieser Zeit alles so passiert ist. Und das bewusst, ohne Nebel. Großartige Anläufe, nüchtern zu werden, hatte ich vorher nur 1 x und zwar als ich das Buch von Holly Whitaker angefangen hatte, zu lesen. Betonung liegt auf „Angefangen“. Dass ich süchtig nach Alkohol war, war mir circa ein Jahr vorher klar. Wie viele andere versuchte ich erst mal, moderat zu trinken. Für jeden Tag ohne Alkohol notierte ich mir ein blaues Herz (warum eigentlich blau für nüchtern? Egal.) in den Kalender meines Handys. Auf die blauen Herzen folgten häufig Abstürze. Ich war sicherlich 2 x die Woche verkatert. Nachts bin ich mit Herzflattern aufgewacht. Aber auch daran hatte ich mich gewöhnt. Krass. Ich hätte mir nie vorstellen können, aufs Trinken z...